Letzten Donnerstag (18.01.2018) zog das Sturmtief „Friederike“ über Europa und hinterliess stellenweise eine Spur der Verwüstung. Zahlreiche Flughäfen und Bahngesellschaften stellten ihren Betrieb ein – so auch die Deutsche Bahn in Nordrhein-Westfalen.

Auch am Freitag Morgen fuhren auf der Rhein-Sieg-Strecke noch keine Züge. So war  ich  froh, dass meine Frau mich auf der Arbeit vorbei bringen konnte. Bis zum Nachmittag sollte sich die Situation weitgehend normalisiert haben, die Bahnen grösstenteils wieder nach Plan fahren.

So stand ich dann also am Freitag Nachmittag auf dem Bahnhof Ehrenfeld und wartete auf die S-Bahn, die planmässig um 15:34 fahren sollte. Durchsagen für andere Bahnlinien liessen befürchten, dass auch die S 19 nicht pünktlich sein würde.

Die nächste Ansage bestätigte meine Vermutung: „S 19 Richtung Blankenberg. Heute ca. 15 Minuten Verspätung. Grund dafür sind Verzögerungen beim Ein- und Ausstieg“.

Ein anderer Fahrgast und ich gucken uns erstaunt an – „Haben wir richtig gehört?“ scheinen wir uns stumm gegenseitig zu fragen. Dann prusten wir Beide los: „DEN kannte ich noch nicht! Der muss neu sein!“. „Jetzt wissen wir endlich, wer an den ganzen Verspätungen wirklich Schuld hat: Die Fahrgäste!“ setze ich nach.

Als Berufspendler bekommt man im Laufe der Jahre ja alle möglichen (und unmöglichen) „Begründungen“ für Verspätungen zu hören:

Für „die Personen im Gleis“ oder gar den „Notarzteinsatz im Gleis“ bzw. „am Zug“ kann die Bahn natürlich nichts. In der Regel ruht bei diesen Meldungen der Zugverkehr auf der gesperrten Strecke jedoch in der Regel für mehrere Stunden. Für den Fahrgast bedeutet fast immer, dass er zusehen kann, wie er sein Ziel auf einem anderen – zumeist längeren – Weg erreicht – sofern er das Glück hat, dass seine Bahn gerade an einem Haltepunkt oder Bahnhof steht, denn auf freier Strecke wird der Zugführer die Türen –  aus verständlichen Gründen – nicht öffnen: Er hätte sonst direkt die nächsten Personen im Gleis. Man ist also womöglich über mehrere Stunden im Zug „gefangen“ – ohne Toilette, ohne Klimaanlage, ohne Möglichkeit, etwas zu Trinken zu bekommen …

Harmlos dagegen- und für den Fahrgast nachvollziehbar – ist der „Wagenschaden“ oder die „feststehende Weiche“. Besonders bei Extrem-Wetter immer wieder gern genommen.

Bei der „Verspätung eines voraus fahrenden Zuges“ weiss man als langjähriger Bahnpendler, dass mal wieder ein höherrangiger Zug, der die gleichen Gleise benutzt, den Fahrplan nicht einhalten konnte – und da die S-Bahn ganz unten in der DB-Hierarchie steht, heisst es dann warten, bis der andere Zug an einer Ausweichstelle überholt hat..

Fast schon dreist empfinde ich allerdings die „Verzögerungen im Betriebsablauf“ bzw. die „Verspätung des vorangegangenen Zugumlaufs“ – gibt die Deutsche Bahn hier doch schön verklausuliert zu, ihre eigenen Zeitpläne nicht einhalten zu können.

Die „Verzögerungen beim Ein- und Ausstieg“ sind da die logische Konsequenz – und eine schallende Ohrfeige für jene, denen pünktlich jeden Monat das Geld für ihre Abo-Karte vom Konto abbuchen lassen! Denn kackfrech wälzt die Bahn hiermit die Schuld auf den Fahrgast ab, so, als wollte sie sagen: :“Wir wären ja pünktlich, wenn der Fahrgastwechsel nicht so lange dauern würde …“. Klar, was soll denn der arme Zugführer auch anderes machen, als mehr oder weniger (meist eher weniger) freundlich aufzufordern „Machen Se die Türen frei, damit mer weiterfahren können. Mer sin eh schon zu spät!“ Danke, genau solche Aufmunterung braucht man als Pendler am Morgen, nachdem man sich bis in den Gang „vorgekämpft“ hat („Net em Türbereich stonn blieve!“), in der Hoffnung, am Zielbahnhof trotz der Menschenmassen vor einem schnell genug zum Ausgang zu kommen. bevor sich die Türen wieder schliessen. Längere Züge könnten hier helfen, oder auch Doppelstockwagen …

Dass es auch anders geht, beweisen einige wenige Zugführer. So kam letztens, als es wie aus Eimern schüttete und die S-Bahn wieder mal einen Regionalexpress vorlassen musste, die Durchsage: „Liebe Fahrgäste, es tut mir leid, dass wir warten müssen, damit der RE vorbei kann. Sehen Sie es positiv: Hier in der Bahn ist es muckelig warm und trocken. Manch ein Mundwinkel wanderte von unten nach oben.  Als dann der RE vorbeirauschte und der Zugführer meinte „Das ist der Kerl, wegen dem wir warten mussten. Jetzt geht es gleich weiter. Vielen  Dank für Ihre Geduld“ , ging ein Lachen durch den Zug, die Verspätung war vergessen! Und als am  Kölner Hauptbahnhof die Durchsage ´kam „Ich bedanke mich nochmals für Ihre Geduld und Ihr Verständnis für die Verspätung und wünsche allen hier aussteigenden Fahrgästen noch einen schönen Tag“ gab es Applaus für den Zugführer. Wenn es nur mehr von dieser Sorte gäbe …

Detlef