Gestern – am 11. April – war „Welt-Parkinson-Tag“. Eine gute Gelegenheit, die vergangenen fast zwei Jahre Revue passieren zu lassen: Was hat sich, wie habe ich mich verändert, seit im Juni 2016 bei mir Parkinson diagnostiziert wurde?

Die für mich erste gravierende Änderung war die Tatsache, dass ich beim Roten Kreuz nicht mehr zur Blutspende zugelassen bin (s. „Muhammad Ali und ich“). Grund sind die Medikamente, die ich nehmen muss und die liessen sich wohl nur mit sehr viel Aufwand aus dem Blut „waschen“. Schade, aber nicht zu ändern …

Während ich bei der Frage der Blutspende also sozusagen fremdbestimmt wurde, war es meine freie Entscheidung, mich erst einmal nicht mehr ans Steuer unserer „Datsche“ zu setzen. Grund waren auch hier die Medikamente. Ich habe immer schon sehr wenig geschlafen (und auch recht wenig Schlaf gebraucht), doch die Medikamente, die ich nehmen muss, „putschen“ mich durchaus auf, so dass ich mich manchmal Nachts stundenlang im Bett herum wälze, ohne einzuschlafen. Irgendwann im Laufe des Tages bricht sich dann allerdings doch die Müdigkeit Bahn – in Form des berühmt-berüchtigten „Sekundenschlafs“. Nun kann ich gut damit leben, Zuhause auf dem Sofa oder eben auf der Arbeit vor dem PC kurz „weg zu sacken“ – und praktisch direkt wieder hoch zu schrecken. Im Strassenverkehr möchte ich DAS lieber nicht erleben – gemäss dem etwas makaberen Witz:

„Wenn ich einmal sterben muss, dann bitte friedlich schlummernd wie mein Opa – und nicht schreiend und heulend wie seine Mitfahrer …“

Etwas unangenehm sind unbewusste, spontane Zuckungen, wenn ich z. B. ganz entspannt im Bett liege und mit meiner Frau kuschele … Apropos „Bett“. Eine weitere Nebenwirkung von Parkinson ist eine stark gesteigerte Libido. Das findet Mann im ersten Moment vielleicht sogar schön, auf Dauer kann das für die Partnerschaft jedoch durchaus belastend sein.

Im Grossen und Ganzen fühle ich mich mit den Medikamenten aktuell gut „eingestellt“.  Meine Bewegungsfreiheit ist – subjektiv – so gut wie nicht eingeschränkt. Zwar bin ich morgens manchmal etwas „zerknautscht“ (s. o. Schlaflosigkeit) und habe das Gefühl, bei jeder Bewegung gegen einen Widerstand ankämpfen zu müssen – so, als wenn man sich aufrecht gehend durch ein Schwimmbecken bewegen würde und dass Wasser weg drücken muss. Dieses Gefühl hatte ich allerdings auch schon lange, bevor Parkinson bei mir festgestellt wurde. Gibt es so etwas wie „latenten Parkinson“?

Laut Aussage meines Neurologen bin ich mit den derzeitigen Medikamenten am untersten Ende der Skala dessen, was möglich ist. Die Chancen stehen also gut, die Krankheit noch lange unter Kontrolle zu halten 🙂

Detlef