Am 15. Februar erschien Band 3000 der Science Fiction-Serie „Perry Rhodan„.  Eine gute Gelegenheit, sich an meine Zeit(en) mit dieser immerhin schon seit 1961 ununterbrochen laufenden Romanreihe zu erinnern …

Perry – Unser Mann im All Nr. 55

Mein Einstieg ins sogenannte „Perryversum“ begann Anfang 1972  mit Heft 55 „Verbannt in eine fremde Galaxis“ des Comic-Ablegers „Perry – unser Mann im All„. Wobei diese Serie alle Grenzen konventioneller Comics sprengte: Die einzelnen Bilderrahmen  gingen ineinander über, auch der sonst weisse Seitenrand wurde oft mit bedruckt. Der „Hyperraum„, den die Raumschiffe zum schnellen Fortkommen benutzten, wurde als gigantische Farborgie dargestellt. Und dann die Darstellung der weiblichen Crew-Mitglieder auf den Schiffen … Aussenbords trugen sie transparente (!) Raumanzüge und darunter – genau, wie auf den Schiffen selbst – nichts! Oder nur sehr, sehr wenig, so dass ihre üppigen Oberweiten dem Leser in vielen Bildern regelrecht entgegen sprangen …

Nun könnte man mutmassen, dass dies damals den Reiz der Serie ausmachte – ich war damals fast zwölf und fing langsam an, das eine oder andere Mädchen nicht mehr ganz doof zu finden – und die Bilder der Raumpilotin Shira zeigten durchaus Wirkung 😉

Da die Comicserie nur monatlich erschien, kaufte ich mir kurz darauf meine

Perry Rhodan Nr. 224
„Agenten gegen das Imperium“

ersten Perry Rhodan Romanhefte: Nr. 550 „Rückkehr ins Jahr 2000“ der 1. Auflage, Nr. 356 „Ein Zeitpolizist desertiert“ (2. Auflage) und Nr. 224 „Agenten gegen das Imperium“ (3. Ausgabe). Hier war ausser dem Titelbild nichts mit bunt-bunt-bunt und ich verstand an vielen Stellen nur Weltraum-Bahnhof 😉

Nach den Osterferien 1972 wechselte ich die Schule und hatte das „Pech“ – nein: eher –  Glück, in eine Klasse zu kommen, in der es einen weiteren Perry Rhodan-Fan gab: Ralph-Dieter S. (der für mich immer „Gucky“ bleiben wird).

Als im Februar 1973 die 3. Auflage  mit Band 1 startete, war das für mich DIE Gelegenheit, zu erfahren, wie das alles begann. Nämlich mit der ersten Mondlandung 1971 und der Begegnung mit den dort notgelandeten Arkoniden, einer menschenähnlichen Rasse.

Über mehrere Jahre hinweg las ich die 3. Auflage Woche für Woche,  deren charakteristischer hellblaue Streifen sie deutlich von der Erst- und der 2. Auflage abhob.

Aber auch das eine oder andere Heft der Erstauflage fand den Weg in meine Sammlung, z. B. Nr. 560 „Gucky der Tambugott“ oder der Jubiläumsband 600 „Die unsichtbare Grenze„, mit

Perry Rhodan 600
Die unsichtbare Grenze

dem der Zyklus „Das kosmische Schachspiel“  begann: Während eines Testflugs geraten Perry & Co., in eine  Parallelwelt, in der es auch eine Erde gibt – und auch einen Perry Rhodan. Doch die Charaktereigentschaften sind vertauscht, der Perry Rhodan auf „Terra II“ regiert diktatorisch mit eiserner Hand. Oder der  Beginn des „Aphilie„-Zyklus mit dem gleichnamigen Band 700, in dem die meisten Bewohner Terras keine Gefühle mehr haben. Innerhalb der 700er Hefte konnte man auch lesen, wie sich die PR-Autoren die Brille der Zukunft vorstellten: Es gab natürlich keine Brillengläser mehr. Stattdessen trug der Fehlsichtige des 35. Jahrhunderts zwei kleine Bügel über den Ohren, in denen  kleine Laserprojektoren ein korrigierendes Gesichtsfeld vor dem Träger erzeugten. Was 1975 kaum vorstellbar war, ist von der Realität längst überholt worden – heute werden mit dem Laser keine Sichtfelder erzeugt, sondern die Augen direkt korrigiert 😉

PR Taschenbuch Nr. 64
Männer für Lacertae

Dann gab es  die sog. „Planetenromane“ im Taschenbuchformat, die häufig  zwischen zwei Zyklen der Heftserie spielten. Favoriten war bei mir die Abenteuer von Gucky (wer mochte den kleinen Kerl nicht?), z. B. „Männer für Lacertae„, aber auch die Erzählungen über die „Söhne des Lichts„. Zu den vielen Neben- Charakteren, die mir in Erinnerung geblieben sind, zählen u. a. Big Vip Poster (wohl wegen seiner roten Haare 😉 ) und Tyll Leyden, ein genialer aber auch leicht exzentrischer Wissenschaftler: Die Frühstückspause war ihm heilig, da liess er sich nicht einmal durch Perry Rhodan stören …

Natürlich (?) las ich auch die Comics weiter und auch das „Perry Rhodan Magazin“, das als Sonderheft zum ersten „Star Wars“-Film begann und sich zumindest einige Jahre auf dem Markt behaupten konnte. Ein Magazin mit utopischem Inhalt trifft anscheinend nicht den Geschmack der deutschsprachigen Leser (diese Erfahrung musste Anfang der 1980er-Jahre auch der Heyne-Verlag machen: Sein liebevoll gemachtes „Heyne Science Fiction Magazin“ in Taschenbuchform wurde nach nur zwölf Exemplaren eingestellt …).

PR 24 USA Infinity Flight

PR 94 NL De laaiende zon

Und auch einige ausländische Ausgaben standen damals bei mir im Bücherregal. Angefangen mit dem niederländischen Band 94 „De laaiende zon“ – die niederländische Ausgabe erscheint übrigens noch  heute, über ein Taschenbuch aus Frankreich bis hin zu den „Paperbacks“ der US-amerikanischen Version: #1 „Operation Stardust“. das die deutschen Bände 1 und 2 enthielt, #9 „Quest Through Space and Time“  (Band 16 „Das galaktisches Rätsel“ ) sowie #24 „Infinity Flight“ (Band 32 „Ausflug in die Unendlichkeit“).

Trotz mehrerer Anläufe blieb Perry Rhodan der Erfolg in den USA übrigens versagt – der amerikanische „SciFi-Fan“ präferiert halt die diversen in den USA erhältlichen Magazine.

Ich war also voll drin im „Perryversum“   😉 Schade nur, dass es damals noch keine E-Books gab, denn der ausufernde Platzbedarf kollidierte natürlich mit der Tatsache, dass Wohnungen und Bücherschränke nicht unendlich gross sind  und so musste ich mich im Lauf der Zeit von etlichen Heften und Taschenbüchern trennen ….

Der Jubiläumsband 1000 „Der Terraner“ war natürlich ein Meilenstein in der Serie – gleichzeitig aber liess mein Interesse an PR Anfang der 1980er Jahre stark nach. Ausser den Jubiläumsbänden kaufte ich nur hin und wieder mal ein Heft.

Perry Rhodan NEO Nr. 1
Sternenstaub

Das änderte sich im September 2011. Zum fünfzigjährigen Jubiläum der Heftserie startete „Perry Rhodan NEO„, eine Neuinterpretation der „klassischen“ Serie. Konsequenterweise wurde die Handlung wieder in die nahe Zukunft verlegt: Spielte die 1961 erschienene Nr. 1 der Heftserie im Jahr 1970, so beginnt PR Neo „Sternenstaub“ 2036.  Ausgehend von der Grundidee, dass Perry Rhodan mit der Besatzung eines auf dem Mond notgelandeten Raumschiffs Kontakt aufnimmt, ging „Neo“ schon sehr bald eigene Wege, was Handlung und Vita der Romanfiguren anging.

Bei Band 110 war dann allerdings bei mir Schluss mit Neo – aus Zeit- aber auch aus Platzgründen (die letzten ca. 10 Hefte warten immer noch darauf, gelesen zu werden).

Perry Rhodan 3000
Mythos Erde

Nun beginnt mit Band 3000 „Mythos Erde“ der nächste Zyklus bei Perry Rhodan- kaum zu glauben, dass die „Väter“ der Serie – Clark Darlton und K. H. Scheer – ursprünglich nur zwanzig Hefte geplant hatten … Mittlerweile hat PR alle anderen SF-Romanserien, wie z. B. Arn Borul, Terranauten, Mark Brandis oder Ren Dhark weit, weit hinter sich gelassen, was Heftanzahl und Laufzeit betrifft – lediglich die Krimiserie „Jerry Cotton“ läuft noch länger.

„Mythos Erde“ wird mich vermutlich nicht wieder zum regelmässigen Leser machen. Das Interesse wäre zwar da, aber der Tag hat dummerweise nur 24 Stunden …

Mit Sicherheit wird aber der eine oder andere Band in den nächsten Jahren den Weg in meine Sammlung finden und vielleicht erlebe ich ja die Nummer 4000 auch noch – sind ja bloss zwanzig Jahre bis dahin – ich wäre dann 79  😉

Natürlich spiegelte Perry Rhodan immer auch ein bisschen den Zeitgeist der jeweiligen Jahre wider. So nannte Gucky in den Heften, die Ende der 1960er/Anfang der 1970er erschienen, Perry Rhodan schon mal den „grossen Vorsitzenden“ (die 68er Bewegung und Mao Tse Tung lassen grüssen), Szenen, die auch nur andeuten, dass Perry ein Liebesleben hat, waren in der Anfangszeit der Serie undenkbar – zum Vergleich lese man  Heft 1 der Mini-Serie „Stardust“ „Die neue Menschheit“ , in dem  es eindeutig zweideutig zwischen Perry Rhodan und Eritrea Kush „knistert“ (Kapitel 4)

Perry Rhodan 1000
Der Terraner

Geblieben ist in all den Jahrzehnten jedoch die Grundidee einer geeinten Menschheit, die sich nicht mehr  als Deutsche, Amerikaner, Russen (…) begreift, sondern – ungeachtet der Hautfarbe, Herkunft und Religion – als Terraner, einer Menschheit, die begriffen hat, dass sie nur gemeinsam die Herausforderungen der Zukunft meistern und den Weg zu den Sternen beschreiten kann. Diesen Weg gehe ich gerne mit.

Per aspera ad astra!

Detlef

WDR 5 sendete am 18.02.2019 in der Sendung „Profit“ einen kurzen Beitrag über Perry Rhodan (ab 14:21).

Alle Titelbilder sind der Perrypedia entnommen.
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