Tschöö, Martin …

Seine Cartoons waren teilweise schwärzer als eine totale Sonnenfinsternis und abgrundtief makaber – nicht umsonst erschienen seine jeweils neuesten Werke auf seiner Homepage unter dem Titel „Abgründe“.

Wer aufgrund seiner Karikaturen einen Psychopathen wie Norman Bates aus Alfred Hitchcocks Film „Psycho“ oder zumindest einen schrulligen, abgehobenen Sonderling in ihm vermutete, der lag total daneben. Im Gegenteil: Er war „ne janz leeven Kerl“, wie der Rheinländer sagen würde.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich vor einigen Jahren per Mail bei ihm anfragte, ob er eine seiner Zeichnungen als Gewinn für eine Schul-Tombola zur Verfügung stellen würde (Fans zahlten damals schon für diese, noch unkolorierten Rohzeichnungen 50 Euro und mehr).

„Kein Problem“ meinte er, ich solle vorbeikommen, das Blatt abholen. Er wollte kein grosses Aufheben davon machen, mit Presse oder so. Er sandte mir auch zwei Vorschläge zu, die mit „Schule“ zu tun hatten. Da war einmal das „Waffenlädchen“ -zugegeben, eine mehr als makabere Auseinandersetzung mit den damaligen Massakern an Schulen in den USA und auch hier in Deutschland. Beim zweiten Vorschlag erklärt ein Lehrer, welchen Ursprung der Name des von Marie Curie entdeckten Poloniums hat.

Insbesondere vom letzten Vorschlag war der „Lehrkörper“ der Schule alles andere als begeistert – man würde sich ja selbst der Lächerlichkeit preisgeben. Das ginge natürlich gar nicht und ob der Künstler denn nicht etwas „Harmloseres“, vielleicht sogar mit Bezug zu der Schule zeichnen könne … Ich hatte meine Lektion gelernt: „Deutsche Lehrer und Humor – das passt nicht zusammen …“

Kurz: Aus der Karikatur als Tombolagewinn wurde nichts. Dafür entwickelte sich ein sporadischer Mailverkehr zwischen uns. Die nächste persönliche Begegnung war einige Jahre später bei einer Finissage in seiner Heimatstadt Wesseling.

In der letzten persönlichen Nachricht auf seiner Homepage schrieb er, dass er leider wieder auf der „Ausser-Gefecht-Station“ liegen würde … Am 31. Juli ist Martin Perscheid im Alter von nur 55 Jahren in seiner Heimatstadt dem Krebs erlegen.

Danke Martin, für die vielen humvorvollen, hintergründigen, satirischen, schwarzen, politisch inkorrekten und-ich-weiss-nicht -was-für Karikaturen. Sie werden uns fehlen. DU wirst uns fehlen …

Detlef

 

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